Die Diskussion über das Verhältnis von uns Menschen zu den Tieren ist belastet durch eine seltsam unproduktive Frage, die nichtsdestoweniger immer wieder in den Vordergrund gerückt und zur Entscheidungsfrage stilisiert wird: die Frage, ob der Mensch sich zur Recht oder zu Unrecht als das "bessere", "höherstehende", "überlegene" Wesen betrachtet. Der Mensch ist ein Tier, bekanntermassen den Säugetieren zuzurechnen, meint aber, er sei etwas Besseres, etwas Besseres als ein Tier - so etwa lautet oft die Anklage derer, welche die Frage in dem für die Menschen ungünstigen Sinne beantwortet haben wollen. "Gut" und "böse" (und damit auch "besser") sind Prädikate, die nur in Bezug auf den Menschen, nicht in Bezug auf Tiere sinnvoll sind. Nur von Menschen, nicht von Tieren ist ethisches Verhalten einzufordern. Dass zur Geschichte des Menschen gehört, dass er sich mehr oder weniger erfolgreich vom Tierischen oder Nur-Tierischen zu emanzipieren sucht, ist umgekehrt keine Hybris, sondern eine Tatsache, die genau damit zusammenhängt, dass er ein ethisches Wesen (und insofern eben kein Tier) ist. Dass nur der Mensch gut sein kann, findet seine Entsprechung darin, dass nur der Mensch böse sein kann. Den Menschen als solchen als "besser" als das Tier zu bezeichnen, ist deshalb einigermassen schief. Ebenso schief ist aber im Gegenzug die Gleichmacherei nach dem Motto: Der Mensch ist ein Tier und nichts anderes.

Und auch wenn man (in einem erläuterungsbedürftigen, aber sicher nicht-ethischen Sinn) den Menschen als das "überlegene" Lebewesen bezeichnen kann, so bedeutet das mitnichten, dass damit in irgendeiner Weise die Ausbeutung und Entrechtung von Tieren gerechtfertigt werden könnte. Gerade der Umstand, dass Tiere nicht für ihre eigenen Rechte kämpfen können, stellt einen erhöhten Anspruch an uns Menschen, nämlich den, nicht nur für unsere eigenen Rechte, sondern auch für diejenigen der Tiere einzustehen.

Können wir das Reden über unser Verhältnis zu den tierischen Mitgeschöpfen endlich von jenen schiefen Vergleichen, von schiefer Aufwertung hier und schiefer Abwertung dort befreien? Am Mittwoch können wir uns darin üben.

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Denkpausen sind Inseln der Nachdenklichkeit. Über die Jahre wurde gemeinsam eine Atmosphäre geschaffen, in der alle Teilnehmenden sich eingeladen fühlen, ihre Gedanken, Erfahrungen und Assoziationen zu äussern, auch wenn diese sich noch nicht zur Meinung oder Position verfestigt haben. Es wird weniger behauptet, vertreten, verfochten als bezeugt, was uns angeht und umtreibt. Gerade das Unfertige der Beiträge ermöglicht den schöpferischen Augenblick, das überraschende Auftauchen von tragfähigen Einsichten. Diese Stimmung der gemeinsamen und gegenseitigen Aufmerksamkeit ist Gegenbild zum oft so ernüchternden Diskurs in der grösseren Öffentlichkeit und könnte als Vorbild dienen.

Leitung: Dr. Christian Graf (info@christian-graf.ch / 079 942 18 19)
Eintritt: CHF 20.– / 13.– (Ausnahmen nach Absprache mit dem Gesprächsleiter möglich)

Ort: Philosophicum (1. OG), St. Johanns-Vorstadt 19-21, 4056 Basel

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